2008

liberty message

Boris Reitschuster

Reitschuster -Boris

Boris Reitschuster nimmt kein Blatt vor den Mund. Unerschrocken und mit hohem persönlichem Einsatz berichtet der 36 Jahre alte Moskau-Korrespondent des Nachrichtenmagazins Focus über Russland. Reitschuster nennt Probleme, Fehlentwicklungen, Korruption und antidemokratische Entwicklungen beim Namen – und hat sich damit das offizielle Russland zum Feind gemacht.

Seiner Faszination für das Riesenreich können die Einschüchterungsversuche und Drohungen nichts anhaben. 1988 verfiel er bei einem Jugendaustausch der Faszination Russlands. Nach dem Abitur 1990 zog er als Student zu seiner Jugendliebe nach Moskau, mit zwei Koffern und seinen gesamten Ersparnissen. In einer Gastfamilie und in leeren Geschäften lernte er Russland abseits der Ausländer-Ghettos kennen. Nach einer Dolmetscher-Ausbildung arbeitete er in Moskau als Deutschlehrer und Übersetzer. Gleichzeitig berichtete er für deutsche Tageszeitungen. 1995 machte Reitschuster ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen. Danach arbeitete er für die Presseagenturen dpa in Augsburg und AFP in München. 1999 kehrte er als Korrespondent des Focus nach Russland zurück.

Reitschuster hat mehrere Bücher geschrieben. 2004 erschien „Wladimir Putin – wohin steuert er Russland?“. Zwei Jahre später veröffentlichte er „Putins Demokratur – wie der Kreml den Westen das Fürchten lehrt“. Das Buch zeichnet das Beziehungsgeflecht Putins und seiner „Datschenkooperative“ nach. Die ehemaligen Landhaus-Nachbarn beherrschen, von der Öffentlichkeit lange unbeachtet, weite Teile der russischen Politik und Wirtschaft – bis hin zu den Atom-Geschäften mit dem Iran. Während der Recherchen erhielt Reitschuster erste Morddrohungen. Später folgten Warnungen von offizieller Seite: Mit seinem Buch habe er sein Todesurteil unterzeichnet. Reitschuster wurde mehrfach von der russischen Polizei attackiert und festgenommen. Alle Angriffe blieben ohne juristische Folgen. Regelmäßige Beschimpfungen auch auf staatseigenen Internetseiten als „Vieh“, „Goebbels“ oder „Judensau“ gehören beinahe zum Alltag. In der größten russischen Boulevardzeitung, der „Komsomolskaja Prawda“, wurde er kürzlich sogar in die Nähe der Spionage gerückt.