2007

liberty message

Frank Krause

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Frank Krauses Arbeit zeigt: Investigativer Journalismus ist keine Frage der Prominenz oder des zur Verfügung stehenden Apparats – sondern des eigenen beruflichen Anspruchs. Der Chefreporter der Stuttgarter Nachrichten befasst sich seit November 2005 mit finanziellen Ungereimtheiten bei der Geburtstagsfeier eines ARD-Intendanten. Die Recherche brachte Krause ein mittlerweile eingestelltes Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft ein und löste eine Debatte über Pressefreiheit in Deutschland aus.

Frank Krause wurde 1966 in Freudenstadt geboren. Seine journalistische Laufbahn begann 1987 bei den Kreisnachrichten Calw. 1991 wechselte er zum Badischen Tagblatt nach Baden-Baden, wo er im Sport- und Landesressort wirkte. Von 1992 bis 1996 absolvierte Krause ein berufsbegleitendes Journalistik-Studium an der FU Berlin. Seine Magisterarbeit befasste sich mit dem „Sport als Spielball der Medien“ – eine Studie über den Stellenwert von Tennisübertragungen für das Fernsehen. Seit 1997 arbeitet Krause bei den Stuttgarter Nachrichten, deren Chefreporter er seit 2004 ist.
Im November 2005 berichten die Stuttgarter Nachrichten als erste Tageszeitung über die Finanzierung der Geburtstagsfeier des Intendanten des Südwestrundfunks in einem Luxushotel. Die Kernfrage ist: Wurden Gebührengelder zweckentfremdet? Krauses bis heute andauernde Recherche fördert viele neue Details zu Tage. Bald geht es nicht nur um das Miteinander von Sender und Hotel, sondern auch um dessen Beziehungen zu namhaften deutschen Unternehmen. Das Verfahren gegen den Intendanten wegen des Untreueverdachts wird im Sommer 2006 mangels Beweisen eingestellt. Im Dezember prüft die Staatsanwaltschaft wegen neuer Aussagen jedoch eine Wiederaufnahme.
Für Krause hat die Recherche Folgen: Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden ermittelt gegen ihn wegen der Beihilfe zur Verletzung von Dienstgeheimnissen. Nach sechs Monaten wird das Verfahren eingestellt. Es löst eine Diskussion über zunehmende Angriffe auf die Pressefreiheit in Deutschland aus. Politiker, Verbände, Gewerkschaften und prominente Kollegen ergreifen im Zuge der Debatte Partei für Krause.